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Die Haben gut Lachen.

Mein DHL-Bote bringt seit einer Weile keine Pakete mehr und schmeißt auch keine Karten in den Briefkasten. Ich muss nach Bestellung immer online den Versand verfolgen und rechtzeitig zur Postfiliale stiefeln, zehn bis zwanzig Minuten in der Schlange stehen und dann mit Glück das Paket annehmen. Ohne Karte vom Boten ist es nämlich nicht garantiert, dass die Mitarbeiter vor Ort auch das Paket finden.

Ein Kollege erzählte mir von seinen guten Erfahrungen mit der Packstation um die Ecke. Die Pakete kommen an, werden in Boxen eingeschlossen und er kann sie per PIN öffnen und die Sendung entnehmen. Kein menschlicher Kontakt nötig, keine Gefahr von Inkompetenz.

Das kann ich auch, dachte ich mir.

Von wegen. Die folgende Email habe ich so im Wortlaut an die DHL verschickt, nachdem ich eine halbe Stunde lang versucht habe, den Kundenservice zu kontaktieren. Aber lest selbst.

Hallo,

nachdem der DHL Bote in den letzten Wochen drei mal weder geklingelt, noch eine Karte hinterlassen hat, nur um das Paket direkt in die Filiale zu bringen, wovon ich nur nach Recherche mittels Sendungsnummer vom Versender erfahren habe, dachte ich mir, vielleicht nutze ich mal eine dieser gelben Packstationen, dann muss ich wenigstens nicht Schlange stehen.

Einen Account habe ich schon auf paket.de, scheinbar der Login der eFiliale, nicht zu verwechseln mit der Portokasse. Schnell ist der Button für die Packstation gefunden, aber siehe da, der Button für die Anmeldung ist inaktiv. Oben erfahre ich, dass ich auf eine Bestätigungsemail zu warten habe. Diese habe ich nicht erhalten, ich habe keinen Spam-Ordner, und mein Postfach enthält keine offenen Bestätigungsemails, schon gar nicht von paket.de. Klicke ich eben auf den Knopf, um sie erneut zu versenden.

Ach, den gibt es nicht. Ich solle mich an den Kundenservice wenden.

Einen Knopf „Kundenservice“ gibt es auch nicht. Klicke ich eben auf Kontakt.

Unter Kontakt gibt es keine Kontaktdaten, sondern das FAQ. Klar.

Viele Dropdown-Menüs später bin ich nicht schlauer. Dann halt die Suche. Die Suche nach „Bestätigunsemail“ gibt mir „Wie erreiche ich den Kundenservice von DHL Paket?“, genau was ich will. Zum ersten mal.

Die Erläuterung hilft dann aber erstmal gar nicht, sondern lenkt mich auf eine andere Kontakseite der DHL, natürlich ohne Kontaktdaten wie Telefon, Emailadresse oder gar einer steinzeitlichen Faxnummer. Nur mehr Menüs. Und natürlich nix zu „Kundenservice“ oder „Bestätigungsemail“. „Anmeldung, Kundendaten ändern“ klingt zwar vielversprechend, liefert aber auf den ersten Blick keine Hilfe. Das Offensichtliche wird beschrieben, das Problem ignoriert.

Langsam dämmert es mir. Ich bin auf der Jagd nach einer Information. Diese Information ist ein scheues Beutetier. Wenn ich direkt darauf zusteuere, versteckt sie sich. Ich muss mich unauffällig verhalten, ja geradezu tarnen.

Ich klicke auf „Was tun, wenn ich geheiratet habe, und sich mein Name geändert hat“, weil das genau nicht ist, was ich suche. Ich bin unverheiratet und meinen wunderschönen Namen habe ich jetzt schon recht konstant für eine ganze Weile.

Was sehe ich da, im Dickicht, zwischen der Erwähnung von Heiratsurkunden und, Überaschung, einer Faxnummer? Die Email-Adresse paket@dhl.de.

Bevor die scheue Information wieder entkommt, kopiere ich sie in ein Emailadressfeld. Ich gehe kein Risiko mehr ein.

Jetzt also meine Bitte: Bitte, bitte, senden Sie mir einfach die Bestätigungsemail für paket.de, bzw. eFiliale erneut zu, an diese Emailadresse hier, die ich auch schon in meinem Account hinterlegt habe.

Und bitte veranlassen Sie, dass die gesammelte IT und Webauftritt-Abteilung einen Kurs zum Thema User Experience Design und vor allem HTML im Jahr 2015 macht. Manche Informationen zu Packstationen konnte ich nicht sehen, weil ich aus guten Gründen den Flashplayer deaktiviert habe. Wer packt Textinformation in einen Flashcontainer, in 2015? Das war 2001 schon uncool.
Und überhaupt, was soll das mit der persönlichen Bitte, eine vollautomatisch versendete Email erneut zu versenden? Websites, die von Admins gemacht sind, die mehr als nur den VHS-Kurs Web 2.0 absolviert haben, bauen dazu einen Button ein, mit dem man sich die Bestätigungsemail wieder und wieder zusenden lassen kann. Nur mal so als Tip.

Ich hoffe, ich habe jetzt nicht den einzigen Mitarbeiter mit Emailaccount belästigt, der eigentlich nur auf Heiratsurkunden als Emailanhang wartet. Sollte diese sehr spezifisch benannte Emailadresse Paket@dhl.de nicht die richtige sein, so senden Sie mir doch bitte die korrekte Adresse zu.

Mit freundlichen Grüßen

Joram Schimmeyer

Ich habe schon die automatische Empfangsbestätigung, der Account scheint also nicht tot zu sein. Mal sehen, ob auch noch ein Mensch antwortet.

Update: Einen Tag später habe ich die Email bekommen. Mal sehen, was jetzt aus dem Plan Packstation wird.